>>> Altdeutsche Schäferhunde vom Isartal <<<

Auf den Hund gekommen

 

Ein Mensch, im Kopf sonst kerngesund, beschließt: Ich kauf mir einen Hund.
Der ist mutig, treu und schön, wird viel mit mir spazieren gehn,
bringt Freude ins Familienleben wenn wir ihm tüchtig Futter geben.
Dass dies sein erster Trugschluss war, wird diesem Mensch erst später klar.
Er kann es jetzt noch nicht erfassen, auf was er sich da eingelassen.
Wo Ruhe war bisher im Haus, erklingt es nun wie Sturmgebraus.
Die Nachbarn haben bald vernommen: Ein kleiner Hund ist angekommen.

Gesetze, die bis dahin galten, beginnt das Kerlchen auszuschalten.
Sofort setzt er sich obenauf, bestimmt des Menschens Lebenslauf.
Die Hobbys, die er immer pflegte, den Garten, den er so schön hegte,
verblassen schnell zur gleichen Stund, der Mensch denkt nur noch an den Hund.
Und dieser nützt das weidlich aus, ist Boss im Garten und im Haus,
darf alles, was bisher verboten, beschmutzen mit den süßen Pfoten.
Die Schuhe und das Sofakissen werden erst mal klein gebissen.
Der Rasen und die Fliederbüsche verlieren schnell von ihrer Frische.
Der Garten - einst des Hauses Zier - wird umgepflügt vom Hundetier.
Auch die Wohnung - gut geputzt - wird als Hundespielplatz nun genutzt.

Für den Mensch nebst Kinderschar der Teppich früher heilig war,
der Hund missachtet das Tabu, er pinkelt drauf - und kakt dazu.
Der Mensch beschließt in seinen Zorn, der wird erzogen und zwar schon morg'n.
Doch bald wird ihm sehr deutlich klar, dass dies der zweite Trugschluss war.

Wo er ganz freundlich sagt: "Komm her", da rennt der Hundi meist kreuz und quer.
Sagt er: "Hund, hör auf zu raufen", hört man das Tier verächtlich schnaufen.
Zur Lösung dieser Seelenqual bleibt ihm am Ende keine Wahl.
Sich selbst - und auch dem Hund zuliebe -stürzt er sich ins Vereinsgetriebe.
Er hofft, nun wird sein Los sich wenden - doch dieser Mensch wird schrecklich enden.
Ist ihm ein Rest Verstand geblieben, wird der im Club ihm ausgetrieben.
Bald stellt er fest - ist sehr beglückt: Die Leute hier sind auch verrückt!
Kein Fussball, weder Weib noch Bier, gesprochen wird nur über's Hundetier.


Den Mensch stört nicht, was rings passiert, der Hund wird jedenfalls dressiert.
Was hierbei alles schon geschehen, das glaubt nur der, der es gesehen.
Der Hund, der sonst beim Laufen pennt, entwickelt plötzlich Temperament.
Unterordnung - nie gehört, weh dem, der mich beim Spielen stört.

Und neben all den Herrn, den trüben, sieht man auch manches Frauchen üben.
Sie machen eifrig mit und munter, rennen sie den Platz rauf und wieder runter.
Der Hund versucht sich durchzusetzen, man sieht ihn samt der Frau entwetzen.
Sie flattert waagrecht an der Leine, nach oben reißt es ihr die Beine.
Dann schlagen beide wie im Traum, einen Klasse Purzelbaum.
Das Herrchen kommt - beugt sich zum Hund: Gott sei Dank, er ist gesund."

An 2. Stelle kommt die Frau, das Hundetier stiehlt ihr die Schau.


Mein Hund ist spitze - ich bin fit, die nächste Prüfung mach ich mit.
Am Prüfungstag wird ihm dann klar, dass dies ein neuer Trugschluss war.

So wird am Morgen unser Held dem strengen Richter vorgestellt,
beschaut die Wiese sorgenvoll, auf der sein Hund gleich laufen soll.
Er sieht den Kot der vielen Hasen, was Kühe legten auf den Rasen.
Sieht innerlich schon voll Entsetzen, seinen Hund dieselben hetzen.


Die erste Runde wird gestartet - die böse Unterordnung wartet.
Das "Fuß" klingt voller Schmelz und Locken, der Hund - total perplex - bleibt hocken.
Links schräg zur Hecke - geht´s voraus, der Hund läuft langsam trotz Applaus.
Total geschafft - wie hingemäht, erntet nun der Mensch, was er gesät.
Beschwörend spricht der Herr zum Hund: "Verlass mich nicht in dieser Stund".

Später hört er ganz benommen, wieviel Punkte sie bekommen.
"Von nun an", sagt er bescheiden, " bist du der Größte von uns beiden."

Als nächstes kommt der Schutzdienst dran. Jetzt zeigt das Tierchen, was es kann.
Bedrückt war ihm schon länger klar, dass Herrchen nicht ganz zufrieden war.
Jetzt wird gebissen, bis es kracht, damit mein Herrchen wieder lacht.

Glücklich geht der Hund davon, der Richter zählt die Punkte schon.
Leider reicht's nicht hinten und nicht vorn, die ganze Prüfung ist verlor'n.

Sie haben beide überlebt, statt einen Orden ein Bild an die Wand geklebt.
Der Hund schielt ganz empört hinüber: "Ne schöne Wiener wär mir lieber."

Und die Moral von der Geschicht, besieht man alles mal bei Licht:
Denkst du des Hundes Herr zu sein, hebt der verächtlich nur sein Bein.

Verfasser unbekannt

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